Vom Lehrer zum Trainer

 Vor vielen Jahren hat mich meine persönliche Reise in die Fahrschule geführt – zunächst, um meinen eigenen Führerschein zu machen, und später, um Fahrlehrer zu werden. Beide Ziele konnte ich erreichen, und schließlich absolvierte ich auch noch die Ausbildung zum Theorielehrer.

Nach einigen Jahren Erfahrung als Fahrtrainer und Vortragender führte mich mein Weg weiter in das breite Feld der sozialpädagogischen Arbeit. Was mir dabei schnell auffiel: Der Führerschein war – egal wo ich hinkam – für viele Menschen ein großes Thema. Größer, als ich es zunächst vermutet hätte.

Immer wieder traf ich auf Personen, die sich gar nicht erst zur Anmeldung trauten, andere brachen ihre Ausbildung ab oder kämpften mit hohen Kosten im Laufe der Ausbildung. Prüfungsängste, Kommunikationsprobleme im Ausbildungsfahrzeug und die „geliebte“ Theorieprüfung waren Dauerthemen.

Richtig intensiv wurde es für mich ab dem Jahr 2018. Als Mitarbeiter der Caritas St. Pölten durfte ich mich dort explizit um die Themen Führerschein und Mobilität kümmern – speziell für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Das Projekt hieß Mobilitätscoaching und war eines der erfolgreichsten Vorhaben, an denen ich mitwirken durfte. Es besteht bis heute unter anderem Namen weiter und leistet wertvolle Arbeit.

Warum wertvoll?
Weil Führerschein, Mobilität und Beschäftigung eng miteinander verbunden sind. Sie können sich gegenseitig fördern oder ausschließen – denn, wie man sagt: „Ohne Geld keine Musik“ oder „Ohne Führerschein kein Job.“ Das stimmt nicht immer, aber oft genug. Besonders im ländlichen Raum mit eingeschränkten öffentlichen Verbindungen zeigt sich, wie wichtig Mobilität ist – vor allem für Frauen.

Der Führerschein bedeutet weit mehr als nur das Recht, ein Fahrzeug zu lenken. Er steht für Freiheit, Selbstständigkeit und Teilhabe – im sozialen wie auch im beruflichen Leben.

Das ist die Geschichte, die zu unseren heutigen Angeboten führte.

 

Wolfgang Sochor